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Werde zum Erinnerungen-Gestalter

Lesezeit: 3 Minuten

Es geht nicht mehr viel

Wenn alles gut läuft, wird auch bei mir irgendwann die Zeit kommen, in der ich im Leben nicht mehr viel gestalten kann. Wenn es mir bestimmt ist, werde auch ich eines Tages alt sein. Natürlich weiß ich nicht, ob ich alt werde und wie es mir gehen wird. Aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass auch ich erleben werde, dass nicht mehr viel geht.

Nichts für Feiglinge

Beim Besuch meiner Schwiegereltern ist mir das wieder bewusst geworden. Es ist nicht immer ein Segen, alt zu werden. Oder wie ich gerne zu meinem Vater gesagt habe: „Alt werden ist nichts für Feiglinge.“

Der Mut, der im Alter nötig ist, ist ein ganz anderer als der Mut, den es als jüngerer Mensch braucht. Schaue ich auf mein Leben früher oder auch z. T. noch heute, dann braucht es vor allem den Mut, das Leben wirklich zu leben. Es gilt, die Chancen zu nutzen, sich nicht wegzuducken, sondern zuzugreifen, und immer wieder Neues zu wagen.

Im Alter braucht es einen anderen Mut. Dort ist es vor allem der Mut, die eigene Schwäche anzunehmen. Körperlich fällt immer mehr schwer. Für Situationen, die früher selbst bewältigt werden konnten, brauchen alte Menschen Hilfe. Die Autonomie wird immer weniger. Der eigene Handlungsrahmen wird kleiner. Das Leben kann nicht mehr so gestaltet werden, wie man es sich selber wünscht.

Grenzen

Mit den eigenen Grenzen konfrontiert zu sein, kann eine Menge Frust auslösen. Wer bin ich, wenn ich nichts mehr leisten kann? Wo ist meine Kraft hin?

Wo ist dieser starke Mann hin, der stets alles selber konnte? Diese Grenzen zu akzeptieren, ist eine ganz große Herausforderung im Alter. Und die Grenzen werden Schritt für Schritt immer enger. Es geht immer weniger.

Was bleibt?

Es vergeht kein Besuch bei meinen Schwiegereltern, bei dem meine Schwiegermutter mir nicht sagt: „Erlebt und unternehmt so viel ihr könnt, solange ihr noch könnt.“ Es tut mir immer weh, wenn ich mir bewusst mache, dass unsere Besuche für die beiden das Highlight im Alltag sind. Ja, vielleicht könnten sie von sich aus mehr machen. Aber so vieles geht einfach nicht mehr.

Was bleibt, sind die Erinnerungen. Heute waren es wunderbare Kinderbilder von meinem Mann, die wir gemeinsam angesehen haben. Und es waren sehr berührende Momente, wie die drei in gemeinsamen Erinnerungen geschwelgt haben.

Das gilt für uns alle

Aus meiner jetzigen Sicht ist mein Alter noch ziemlich weit weg. Und gleichzeitig ist das ein Trugschluss. Ich weiß nicht, was passieren wird. Der Gedanken „ich habe noch so viel Zeit“ ist eine Blockade. Er verhindert, dass ich ins Tun komme.

Für uns alle gilt, dass dieses Leben eines Tages zu Ende gehen wird. Und was wird kurz vor dem Ende bleiben? Woran werde ich mich erinnern?

Was nicht wichtig sein wird

Ich bin mir sicher, ich werde nicht an die zahllosen Serien denken, die ich gesehen habe. Und sicher werde ich mich auch nicht an diesen oder jenen Facebook oder Twitter Post erinnern, den gelesen habe oder über den ich mich geärgert habe. Wenn ich jetzt mit etwas Abstand an all die Zeit denke, die ich auf Social Media verbringe, schüttle ich mit dem Kopf über die verschenkte Zeit.

Ich muss nicht zu jeder Zeit etwas leisten. Darum geht es für mich nicht mehr. Aber ich könnte wertvolle Zeit verbringen. Ich könnte mit Menschen in Kontakt gehen, ich könnte in der gebenden Richtung aktiv sein.

Let’s make Memories

Im Englischen gibt es den Satz „Let’s make Memories.“ Übersetzt heißt das „Lass uns Erinnerungen schaffen“. Ich mag diesen Satz sehr. Denn er gibt gemeinsam verbrachter Zeit so eine schöne Überschrift. Eine Freundin lädt uns mit diesem Satz gerne ein, damit wir uns endlich mal wieder treffen.

Manchmal bin ich zu bequem, mich mit Freunden zu treffen. Die Woche war anstrengend und am Wochenende reicht es mir, einfach nur die Beine hochzulegen. Ja, das ist hin und wieder vielleicht genau das Richtige. Aber gerade im Kontakt mit anderen, erlebe ich Zeit mit einer anderen Qualität.

Und ebenso verändert sich die Qualität der Zeit, wenn ich in der gebenden Richtung unterwegs bin. Vielleicht erinnere ich mich nicht mehr an jeden Artikel oder jeden Facebook-Post, den ich früher geschrieben habe. Aber wenn ich daran denke, wie ich im Urlaub mit dem Wohnmobil auf dem Beifahrersitz den Laptop auf dem Schoß hatte und meine Worte habe fließen lassen, dann füllt mein Herz sich mit Wärme.

Wenn mein Herz berührt wird

Wann immer mein Herz berührt wird, erschaffe ich Erinnerungen. Es mag Ausnahmen geben, aber in meinen schönsten Erinnerungen sind stets andere Menschen beteiligt. Ich erlebe gemeinsam Abenteuer, ich teile Erlebnisse, und vielleicht ist das, was ich gebe, ein wichtiger Impuls für einen anderen Menschen.

Die Sache mit den Erinnerungen ist nur: Ich muss sie jetzt aktiv erschaffen. Es gilt jetzt in der gebenden Richtung zu leben, in Kontakt mit Menschen zu gehen. Denn auch ich werde vielleicht eines Tages nicht mehr viel können.

Und dann möchte ich auf ein Leben zurückschauen, das erfüllt ist mit Erinnerungen, die mein Herz berühren.

 

Welche Erinnerungen erschaffst du?
Auf welches Leben wirst du eines Tages zurückschauen?

 

Danke fürs Lesen.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Mann, Hände, Erinnerung © Peggychoucair (pixabay CC-0)

1 Kommentar

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