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Zu viel Denken – eine schwere Bürde

Lesezeit: 3 Minuten

Wir haben nicht die Wahl

Wenn ich wählen könnte, würde ich gerne nur Schönes erleben. Ich hätte Geld, so dass ich ohne Stress leben könnte. Ich und meine Lieben wären immer gesund. Es gäbe kein weltweites Virus und allen Menschen ginge es gut. Leider hab ich nicht die Wahl. Schwere Zeiten gehören zum Leben dazu. In Wellen spülen sie Dunkelheit und Schwere ins Leben. Ich werde Veränderungen, die mich berühren und mir deutlich machen, was mir fehlt, nicht aufhalten können.

Was denke ich?

So wie ich dunkle und schwere Zeiten nicht verhindern kann, kann ich auch die Gedanken, die damit einhergehen, nicht verhindern. Denken geschieht. Aussagen wie “du entscheidest, was du denkst” oder “verändere mit positivem Denken dein Leben” halte ich für Humbug. Wenn ich jeden Tag nur positive Gedanken denke, werden Menschen, die mir wichtig sind, nicht gesund und Corona wird nicht verschwinden. Leben geschieht und ich habe nicht die Macht, es zu kontrollieren. Ebenso habe ich nicht die Macht, meine Gedanken zu steuern. Mir das vorzunehmen ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Damit baue ich nur Druck auf, weil es mir nicht gelingt. Denn vermeintlich negative Gedanken schleichen sich immer wieder in meinen Kopf. Und das ist auch in Ordnung. Dunkles und Helles gehört zum Leben. Was ich aber entscheiden kann, ist, welchen Gedanken ich festhalte und welchen ich weiterziehen lasse.

Im Kreis

Meine Gedanken drehen sich immer wieder wie ein Karussell. Das gleiche Thema dreht und dreht sich in meinem Kopf. Die damit verbundene Schwere und Traurigkeit wird so größer. Ich grüble und halte die Gedanken fest. Wenn es mir gelingt, Gedanken als das zu sehen, was sie sind, wird es leichter: Gedanken sind keine Realität.

Es sind Fragmente meiner Wahrnehmung, die zu einer Einordnung und Bewertung der Situation führen. Vermengt mit früheren Erlebnissen entstehen Gefühle. Halte ich nun an den Gedanken fest, verlängere ich das entstehende Gefühl. Ich beginne mir eine Geschichte dazu zu erzählen. Der eigentliche Gedanke ist längst weitergezogen, aber mit der Geschichte, die ich in meinem Kopf immer wiederhole, halte ich ihn lebendig. Und damit halte ich auch das schwere Gefühl lebendig. Gelingt es mir, Gedanken weiterziehen zu lassen, kommen die schweren Gefühle zwar auch, aber ich halte sie nicht fest. Sie kommen und dürfen wieder gehen.

Die Lösung für zu viel Denken?

Habe ich damit die Lösung gefunden, dass ich endlich nicht mehr grüble? Nein, das klappt nicht immer. Im Gegenteil, oft klappt es nicht und ich hänge in dem Karussell der dunklen Gedankengeschichte fest. Um so mehr genieße ich diese Momente, wenn ich z. B. Texte schreibe und im Schreiben eine Klarheit entsteht. Und eine Leichtigkeit kehrt zurück, durch die es einfacher wird, die Gedanken weiterziehen zu lassen. Gedanken und Gefühle in Kreativität fließen zu lassen, ist eine wunderbare Möglichkeit, die Geschichte zu den Gedanken loszulassen. Bei mir ist es das Schreiben. Die Schwere meiner Gedanken kann sich verändern, wenn ich Worte dazu zu Papier bringe. Aber ich bin mir sicher, dass es viele Möglichkeiten gibt, Gedanken zu verwandeln.

Bringe dein Denken ins Fließen

Welche Gedanken kannst du im Moment nicht weiterziehen lassen? Dies zu erkennen, kann der erste Schritt sein, das Gedankenkarussell anzuhalten oder langsamer werden zu lassen. Wenn du erkennst, an welche Gedanken du immer wieder eine Geschichte hängst, durchschaust du dich selber wieder ein bisschen mehr. Einer der Schlüssel, deine Gedankengeschichte loszulassen, ist deine Kreativität.

Wie lebst du deine Kreativität? Wenn du gerne singst, dann singe. Wenn du gerne malst, dann male. Was auch immer deine Kreativität in Fluss bringt, kann auch deine Gedanken wieder ins Fließen bringen. Nicht denken, sondern machen.

Halte dein Gedankenkarussell an

Statt zu versuchen, die schweren Gedanken zu stoppen, kannst du dein Gedankenkarussell auch unterbrechen, indem du leichte Gedanken einlädst. Leichte Gedanken sind zum Beispiel …

  • Gedanken der Dankbarkeit: Wofür kannst du jetzt dankbar sein?
  • Gedanken der Verbundenheit: Mit wem oder was fühlst du dich gerade verbunden?
  • Gedanken des Mitgefühls: Wer kann dein Mitgefühl im Moment gebrauchen?

Wenn du diese Fragen in dein Herz einlädst, wirst du überrascht sein. Für diesen Moment verschwinden die schweren Gedanken. So hast du die Möglichkeit, dich mit neuen schweren Gedanken nicht so tief zu verstricken, und sie wie deinen Atem einfach kommen und auch wieder gehen zu lassen.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Mann, See, Denken © sdmaurya40 (pixabay CC-0)

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