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Ganz oder gar nicht – Wie du die Perfektions-Falle erkennst

Zweige eines Baumes sind im Gegenlicht zu sehen.
Lesezeit: 2 Minuten

Keine halben Sachen

Wenn ich das Projekt angehe, dann will ich es richtig machen. Keine halben Sachen. Es ist mir ernst damit, daher brauche ich vorher unbedingt noch diese Ausbildung. Und ich brauche unbedingt eine neue Website. Und für die Website brauche ich einen neuen Computer. Bevor ich den Computer kaufe, brauche ich aber noch…

Merkst du etwas?

Getrieben

Getrieben von dem Wunsch, es so gut es nur geht zu machen – oder kurz: es perfekt zu machen, passiert vieles, aber das Projekt starte ich nicht. Ich habe noch nicht mal den Computer gekauft, den ich meine dringend haben zu müssen, damit ich… Du weißt schon.

Gibt es perfekt überhaupt?

Der Satz “ganz oder gar nicht” gilt im Leben für wenige Situationen, wie z. B. ein Kind bekommen. Ein bisschen schwanger geht nicht. Hier ist “ganz oder gar nicht” voll zutreffend. In vielen anderen Bereichen gilt die Maxime jedoch nicht.

Auch wenn ich meinen Wunsch, alles möglichst perfekt zu machen, vielleicht immer wieder hochhalte wie ein Begrüßungsschild am Flughafen, gilt es in ganz vielen Lebensbereichen nicht. Ich lasse mich auf Freundschaften ein und bleibe dabei, auch wenn nicht alles perfekt ist. Ich ziehe in eine Wohnung oder ein Haus, fühle mich wohl und bin glücklich, obwohl nicht alles perfekt ist. Ich gehe eine Partnerschaft ein, liebe einen Menschen, auch wenn er oder sie nicht perfekt ist.

Ich kann also mit “unperfekt” leben. Warum habe ich an die Projekt-Idee oder den nächsten Schritt, der ansteht, dann den Anspruch, dass das bitte schön perfekt sein soll?

Warum ich mich verstecke

Eine Antwort ist: Ich gebe den Zweifeln mehr Raum als der Sehnsucht. Weil ich an mir zweifle, haben Gedanken wie “ich muss erst noch …” oder “wenn ich erst… dann…” großes Gewicht. Meine Selbstzweifel bestimmen, was ich wage. Und das ist in diesem Fall … nichts. Denn außer den Traum zu dem Projekt habe ich noch nichts ins Leben gerufen. Mein Mut scheint vor den Zweifeln zu verzagen.

Die andere Antwort ist: Ich verstecke mich hinter meinem “ganz oder gar nicht”-Anspruch, um meine Komfortzone nicht zu verlassen. Ich bin schlicht zu bequem, das Projekt anzugehen. Diese Erkenntnis ist deutlich unbequemer. Denn ich habe es in der Hand. Ich kann jederzeit den ersten Schritt für das Projekt oder für die Veränderung machen, die ich mir wünsche. Es gibt keine Fähigkeit die fehlt, keine technische Ausstattung fehlt. Alles ist da, ich könnte jederzeit loslegen. Es scheint mir im Moment schlicht nicht wichtig genug zu sein.

Erkenntnisse

Diese Erkenntnisse sind auf der einen Seite ernüchternd. Mein Mut hat kapituliert vor meinen Zweifeln und mein innerer Schweinehund kooperiert damit. Auf der anderen Seite ist es eine neue Klarheit. Zu erkennen, dass es mir im Moment nicht wichtig genug zu sein scheint, ist auch eine Art Entlastung von meinem Druck, dass ich endlich loslegen muss.

Und gleichzeitig sind die Gedanken, warum ich mich hinter meinem “ganz oder gar nicht”-Gedanken verstecke, ein Durchbruch. Denn ich brauche nichts im Außen. Alles ist da. Und das, was fehlt, kommt auf dem Weg dazu.

… Ich darf meinen eigenen Anspruch loslassen.
… Ich darf mir erlauben, vorher nicht alles zu wissen, nicht alles zu können, nicht alles planen zu müssen.
… Ich darf vertrauen.

Verbunden

Vielleicht ist der letzte Satz für mich gerade der wichtigste. Ich darf vertrauen. Immer wieder erlebe ich es als Herausforderung, dem Fluss des Lebens zu vertrauen. Und genau jetzt kommen mir so viele Erinnerungen an die Momente, in denen ich dem Leben vertraut habe. Voller Dankbarkeit schaue ich auf das, was dadurch entstanden ist. Und das hier, mein Blog auf Mut-zur-Stille.de, erfüllt mich mit Stolz.

Mit dieser Freude an meinem Projekt und den vielen Erinnerungen verbinde ich mich und fühle hinein. Und das Vertrauen in den Fluss des Lebens wird wieder spürbar. Mein Herz ist von Vertrauen erfüllt und ich bin verbunden mit dem Leben selber.

 

Hinter welchem vermeintlich notwendigem Anspruch versteckst du dich gerade?
Wo hält dich ein “ganz oder gar nicht” davon ab, den ersten Schritt zu machen?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Zweige, Licht, Frühling © MabelAmber (pixabay CC-0)

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