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Innere Dialoge

Der Zeigefinger der Hand eines Erwachenen berührt den Zeigefinger eines Kindes, ein Bild für den Dialog mit dem inneren Kind in mir.
Lesezeit: 3 Minuten

Die Tonlage meiner inneren Dialoge

Kennst du das auch, dass du innerlich mit dir selber sprichst? Das, was ich mache oder was passiert, kommentiere ich innerlich oft. Ich habe mich gefragt, mit welcher Qualität und Tonlage ich mit mir spreche.

Wie oft spreche ich aufbauend, unterstützend und positiv mit mir?
Und wie oft bin ich kritisch und halte mich selber klein?

Schlecht gelaunter Kommentator

Wenn du diese Art der inneren Dialoge auch kennst, ist es wahrscheinlich für dich nicht überraschend, dass der zweite Fall deutlich häufiger vorkommt. Sätze wie “ich bin so blöd”, wenn ich etwas vergesse, oder “das ist wieder mal typisch”, wenn ich ein Glas umstoße, sage ich deutlich öfter zu mir als positive Sätze.

In meinem Kopf scheint eine Art Stimme eingebaut zu sein, die sich auf alles stürzt und es abwertend kommentiert. Wie ein Sportkommentator, der richtig schlechte Laune hat und nur das kommentiert, was nicht gut läuft. Du kannst diese Stimme Über-Ich, inneren Kritiker nennen oder Kasperle, wie ein Trainer in einem Seminar sie mal nannte.

Monolog

Wie ich diese Stimme nenne, ist letztendlich nicht entscheidend. Die Frage ist, wer ist diese Stimme? Da die Stimme in mir ist, ist sie auch ein Teil von mir. Ich selber rede so mit mir. Und wenn ich es genau nehme, ist es gar kein innerer Dialog, sondern ein reiner Monolog. Denn dieser Teil von mir, ist nicht an einem Austausch interessiert, sondern wiederholt nur immer wieder die gleichen Platten, meistens welche aus meiner Vergangenheit.

Diese Sätze sind oft alte Gedanken aus der Kindheit, in der ich mich mit den Anforderungen und Verletzungen auseinandersetzen musste, aber dafür noch keine Tools und Handlungsmöglichkeiten hatte. Ich konnte dem Anspruch, der an mich gestellt wurde, vielleicht nicht gerecht werden. Ich hatte das Gefühl nicht richtig zu sein, wie ich war, denn es gab stets etwas auszusetzen und zu kritisieren. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich hatte eine glückliche und behütete Kindheit. Dennoch war nicht alles so, wie ich es als Kind gebraucht hätte. Erziehung birgt immer auch die Notwendigkeit in sich, Grenzen zu setzen und auf ein Kind Einfluss zu nehmen. Ohne das wäre es wahrscheinlich sehr schwer, als Erwachsener Teil der Gesellschaft zu sein.

Redestopp

Wie komme ich aus diesen inneren Sätzen raus? Ich kann mir zunächst darüber bewusst werden, dass ich in einer Form mit mir selber rede, die ich von niemand Außenstehendem akzeptieren würde. Erst, wenn ich es wahrnehme, kann ich anfangen etwas zu verändern. Über das bewusstmachen kann ich dem Kritiker oder dem schlecht gelaunten Moderator in mir einen Redestopp geben. Immer, wenn einer dieser Sätze im Kopf entsteht, kann ich innerlich “stopp” sagen. So kann mein Kommentator neu angelernt werden. Das kann funktionieren.

Vom Monolog zum inneren Dialog

Eine andere Möglichkeit ist es, vom Monolog auf einen inneren Dialog zu wechseln. Ich kann dem inneren Kritiker sagen, dass es nicht stimmt, was er behauptet. Ich bin nicht blöd! Und es ist auch nicht typisch für mich, dass ich ein Glas umwerfe. Einfach mal dagegenhalten, macht etwas mit mir. Ich hole mir die Kraft zurück, stelle mich den automatisch ablaufenden Programmen mit abwerten Sätzen entgegen und sage: so nicht! Nicht mit mir!

Aufbauender Dialog

Und wenn ich nicht nur die negativen Sätze stoppen möchte, sondern sogar aufmunternde und positive Worte von mir selber hören möchte? Wie kann ich einen aufbauenden inneren Dialog führen? Mir fällt es leichter positiv mit mir zu sprechen, indem ich mich mit meinem inneren Kind verbinde. Ich spreche zu der kleinen Anne, die auch im heute noch immer Anteil an mir hat.

Denn mit einem kleinen Kind positiv zu reden, ist leicht.

  • Wenn ein kleines Kind Angst hat, dann fallen mir ganz einfach positive und mutmachende Worte ein.
  • Wenn ein kleines Kind denkt, es kann das, was vor ihm liegt, nicht schaffen, dann mache ich ihm Mut.
  • Wenn ein kleines Kind sich alleine fühlt, dann nehme ich es in den Arm und sage ihm “du bist nicht alleine, ich bin für dich da”.

Und dieses kleine Kind bin ich. In mir lebt noch immer das kleine Mädchen von damals. Und wenn ich ihm hin und wieder zuhöre, verstehe, was es braucht oder was es bedrückt, dann kann ich ihm mit meinen Worten genau das sagen, was es in diesem Moment braucht.

Ermutigende Worte

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, dass ich morgens beim Meditieren mich mit meinem inneren Kind verbinde. Ich lade die kleine Anne ein, sich auf meinen Schoß zu setzen und lasse diese Anteile in mir zu Wort kommen. Indem ich mich selber als Kind von ca. vier bis fünf Jahren visualisiere, fällt es mir leicht in einen inneren Dialog zu gehen. Und in diesem inneren Dialog ist es überhaupt nicht schwer, nicht klein machend oder abwertende Sätze zu mir zu sagen. Ganz im Gegenteil: Es ist ganz einfach mich selber zu ermutigen, mir Wertschätzung für das Erreichte zu geben und liebevoll mit mir selber zu reden.

Liebevoller Dialog

Wenn es dir schwerfällt, mit dir selber positiv und aufbauend zu reden, möchte ich dir diese Übung mit deinem inneren Kind ans Herz legen. Vielleicht ist es hilfreich, dass du ein Kinderfoto von dir mit in die Meditation nimmst. Über das Foto kannst du Kontakt zu dir als dieses Kind aufnehmen. Und dann höre ihm zu. Fühle mit ihm und gib ihm das Gefühl, dass es nicht alleine ist. Denn das ist es nicht. Du bist da und kannst ihm allen Mut und Zuversicht geben, es trösten oder einfach nur da sein und es in den Arm nehmen. Du kannst für dich selber da sein und aus dem inneren Monolog deines Kritikers einen liebevollen inneren Dialog machen.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Michelangelo, Abstrakt, Junge © PublicDomainPictures (pixabay CC-0)

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