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Musst du noch oder willst du schon?

Der Baumstamm einer Buche mit Moos ist in einem Teppich von Herbstlaub zu sehen und steht als Bild für das, vermeintlich sein muss.
Lesezeit: 3 Minuten

Ich muss

Wie oft beginnt ein Gedanke in dir mit den Worten “ich muss”? Mir fallen zig Beispiele von kleinem oder großem “Müssen“ ein:

  • Ich muss noch schnell eine Maschine Wäsche waschen
  • Ich muss die Steuern machen
  • Ich muss eine Freundin anrufen, mit der ich ein blödes Missverständnis hatte

Die Liste könnte ich endlos weiterführen. Ich habe hier auch schon über “Die ‚ich muss‘-Falle“ geschrieben. Aber das Thema beschäftigt mich immer wieder, denn Gedanken mit “ich muss“ denke ich oft.

Innerer Druck …

Was passiert in mir, wenn ich einen “ich muss“-Gedanken denke? In mir erzeugt ein solcher Gedanke Druck. Ich bin gezwungen etwas zu tun. Es gibt keinen Ausweg oder Alternative. Wenn ich das nicht erledige, passiert etwas Unangenehmes oder Schlimmes. Oft spüre ich diesen Druck sogar körperlich, als ob sich ein Stein auf meinen Brustkorb legt.

… und schlechtes Gewissen

Dabei stimmt es in den meisten Fällen gar nicht, dass etwas passieren wird, wenn ich das “ich muss“ nicht erledige. Dennoch fühle ich mich nicht erleichtert, wenn ich mich gegen das “ich muss“ wehre und es nicht mache. Dann kommt das schlechte Gewissen. Ich habe einen Anspruch nicht erfüllt, ich war nicht gut genug, ich habe andere enttäuscht.

Ehrlich?

Wenn ich ehrlich bin, haben die anderen mit meinen “ich muss“-Gedanken überhaupt nichts zu tun. Der Druck und die Erwartungshaltung oder die Enttäuschung sind bei mir. Ich erwarte von mir, dass ich mich entsprechend verhalte. Tue ich das nicht, werde ich meinem eigenen Anspruch nicht gerecht und bin ich von mir selber enttäuscht. Wie so oft, sind es meine inneren Maßstäbe, mit denen ich mir das Leben schwer mache. Und diese Schwere lastet dann wie ein Stein auf mir.

So aktuell wie zuvor

Ich schreibe hier stets sehr aktuell, was mich beschäftigt. Im Moment sind es für mich größere Themen, die ich schaffen muss. Besonders bedrückt mich momentan der Gedanke “ich muss in meinem Job erfolgreich sein“. Ich sehe mich großen Herausforderungen gegenüber, von denen ich Sorge habe, dass ich es nicht schaffe. Diese Gefühle und Gedankenspiralen kenne ich sehr gut. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese selbstgemachte Schwere nicht mehr so oft in meinem Leben habe. Aber momentan leide ich mal wieder unter meinen “ich muss“-Gedanken.

Den Kopf heben

Wie komme ich aus dieser Spirale an Gedanken und Gefühlen nun wieder heraus? Wie nehme ich den Stein von meiner Brust, damit ich wieder frei atmen kann?

Ich hebe meinen Kopf. Statt meinen Blick auf die konkrete “ich muss“-Aufgabe zu fokussieren, schaue ich über den Tellerrand, indem ich mich frage: Was will ich? Was ist mein Wille?

Bezogen auf die kleinen Themen ist es leicht: Ich will saubere Wäsche, ich will keinen Ärger mit dem Finanzamt haben oder ich will meiner Freundin mit meinem Anruf zeigen, dass sie mir wichtig ist. Es geht darum den Blickwinkel zu erweitern. Es geht nicht um die Herausforderung oder Aufgabe an sich. Das ist nur eine Momentaufnahme, die durch schwere Gedanken eingerahmt ist. Die wirklich wichtige Frage ist: Was ist das Große dahinter ist?

Aus ich muss wird ich will

Wenn mir wieder bewusst wird, was mein eigentlicher Antreiber ist, kann aus meinem “ich muss“ wieder ein “ich will“ werden. Ich mache all die Dinge, dich ich vermeintlich muss, weil mir etwas Größeres wichtig ist und dies Teil des Weges ist. Mir sind meine Freunde wichtig, daher möchte ich das Missverständnis aus dem Weg räumen.

Das gilt auch für meinen momentanen Stein: mir mach dieser Job viel Spaß. Ich darf viel lernen, werde gefordert und kann mich entwickeln. Und ich weiß, dass zu einem Wachstumsprozess auch ein Wachstumsschmerz gehören darf. Mit dieser Erkenntnis wird aus dem inneren Druck, es schaffen zu müssen, wieder ein Ja zu der Freude und dem Abenteuer dahinter.

Weil es wichtig ist

Ein Ja fühlt sich so viel leichter an als der Druck, den ich mir selber mache. Denn wenn ich erkenne, dass es mein Wille ist, brauche ich den Druck nicht mehr. Ich mache es, weil es mir wichtig ist, daher brauche ich mich selber nicht zu zwingen. Ich mache es, weil ich es will.

Was sind deine “ich muss“-Gedanken?
Und was das große Ganze dahinter? Was ist dein Wille?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Herbstlaub, Moos, Baum © rihaij (pixabay CC-0)

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