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Die Illusion der Kontrolle

Kleine Steine sind zu einem Pflaster gelegt, das in Wellen verläuft - es verdeutlich die Illusion der Kontrolle.
Lesezeit: 3 Minuten

Meine Angst

Manchmal macht mir das, was vor mir liegt, Angst. Schaffe ich das? Bin ich gut genug? Bin ich dem, was kommen wird, gewachsen?

Veränderungen geschehen ohne Vorwarnung und wirbeln manchmal alles durcheinander. Nichts ist mehr so, wie ich es erwartet habe. Ich habe das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

Kontrolle als Antwort auf Gefahr

Mit der Illusion, ich könne etwas kontrollieren, versucht mein Verstand sich zu beruhigen. Mein Kopf möchte Dinge vorausplanen, sie einordnen und einen Plan zurechtlegen. Das Unbekannte wirkt wie eine Gefahr. Vor Hunderttausend Jahren war das auch eine wichtige und richtige Schlussfolgerung. Veränderung konnten damals das Überleben gefährden. In der Zeit der Säbelzahntiger und zugiger Höhlen war die Angst vor dem Unbekannten wichtig, damit die eigene Sippe überlebt.

Veränderung ist nötig

Gleichzeitig war in der Vergangenheit immer wieder Veränderung und Neues nötig, damit die Menschheit sich weiterentwickelt. Ohne Veränderung wäre Leben nicht möglich. Die Geschichte der Erde ist eine Geschichte der Veränderung und Anpassung. Wäre dem nicht so, wäre das einzige Leben noch immer Bakterien und Mikroben im Urmeer.

So wie es für alle Spezies gilt, dass immer wieder Veränderung nötig ist, gilt das auch für mich und dich. Auch wir brauchen Veränderung, um uns weiterzuentwickeln. Dies ist auch ein Instinkt, der aus der Vorzeit kommt und uns Menschen immer wieder dazu bringt, Neues zu wagen.

Spannungsfeld

Beide Instinkte wirken in mir: die Angst vor Veränderung und dem Unbekannten und der Wunsch nach Wachstum und Entwicklung. In diesem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, alles möge so bleiben, weil es vermeintlich sicherer ist, und dem gleichzeitigen Wunsch nach eigener Entfaltung, sind verschiedene Menschen näher an dem einen oder dem anderen Pol.

Kontrolle

Viele Jahre war ich ganz klar im Team “Sicherheit”. Veränderung hat mir Angst gemacht. Ich habe lieber Situationen, in denen ich unglücklich war, ausgehalten, als eine Veränderung herbeizuführen. Vermeintliche Konstanz habe ich als sicherer wahrgenommen. Ich habe versucht, so viel wie möglich von meinem Leben vorzuplanen, um ungeplante Veränderungen zu vermeiden. Mit Kontrolle habe ich versucht, der Angst vor Veränderung zu begegnen.

Veränderung

Es gibt auch Menschen, die sind auf einer Skala zwischen Sicherheit und Veränderung klar auf der Seite der Veränderung. Ihnen macht es große Angst, dass alles so bleiben könnte, wie es ist. Und diese Angst, alles könne eingefahren und festgefahren werden, ist da, unabhängig davon, ob sie in der momentanen Situation glücklich oder unglücklich sein. Veränderung wird immer wieder vorangetrieben um der Veränderung selber willen. Brücken werden abgebrochen und Menschen brechen zu neuen Ufern auf. Oft machen sie dies nicht, weil es wirklich ihre innere Wahrheit ist, sondern weil sie einem innere Glaubenssatz folgen, Konstanz ist Stillstand.

Die Spannung integrieren

Es gibt viele Polaritäten, zwischen denen wir leben: Tag und Nacht, Freude und Leid, Mut und Zweifel. Beide Pole gehören zum Leben. Und so gehören auch Veränderung und der Wunsch nach Sicherheit zum Leben. Ohne Veränderung kann ich mich nicht entwickeln, ich kann meine Potenziale nicht entfalten. Und ohne Konstanz kann ich nichts aufbauen. Es ist wichtig dranzubleiben und nicht zur nächsten Herausforderung zu springen, weil es schwer wird oder stillzustehen scheint.

Es ist Zeit aufzuholen

Ich habe viele Jahre am Bestehenden festgehalten. Und nun scheint für mich nun eine Zeit gekommen zu sein, in der ich Neues wage. Ich sehe die Balance zwischen Bewahren und Erschaffen nicht nur in dem jetzigen Moment, sondern auf mein ganzes Leben bezogen. Und da habe ich noch etwas aufzuholen.

Es gibt so viel Neues zu erfahren, zu lernen und zu entdecken. Dabei darf mir das Neue auch mal Angst machen. Aber ich lasse mich von meiner Angst nicht überwältigen oder lähmen. Die Neugier und Freude auf Neues überwiegen.

Welche Brille?

Auch wenn Veränderungen im Außen auf mich einzustürmen scheinen, ist es für mich immer möglich, diese mit dem Blick der Neugier und der Chance wahrzunehmen. Ich kann wählen, durch welche Brille ich auf die momentane Situation schaue.

  • Ist es die Brille mit dem Wunsch nach Kontrolle? So wird Veränderung mich schnell ängstigen. Ich werde versuchen irgendwie wieder eine vermeintliche Kontrolle über die Situation zu erlangen.
  • Oder schaue ich mit der Brille der Neugier auf das Neue, das sich aufgetan hat? Mit dem Blick einer unvoreingenommenen Neugier, wie ein kleines Kind sie hat, kann ich offenbleiben, für die Chancen und Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Leben geschieht

Denn eines ist mir bewusst geworden: Seitdem ich Veränderungen nicht mehr mit mehr Kontrolle begegne, sondern es wage, neue Wege zu gehen, wächst mein Mut, Neuem mit Neugier, statt mit Angst zu begegnen. Mit jedem Schritt zu neuen Wegen, neuen Erfahrungen und neuen Begegnungen, wird die Angst vor dem, was kommen mag, kleiner. Und damit wird auch der Wunsch nach Kontrolle weniger wichtig.

Denn das Leben geschieht egal, ob ich es versuche zu kontrollieren oder nicht. All meine Bemühungen, Veränderungen zu verhindern, indem ich es das Leben kontrollieren will, sind unnötig. Denn Kontrolle ist eine Illusion. Ich kann das Leben nicht kontrollieren. Egal, wie sehr ich mich bemühe, wie sehr ich festhalte: Das Leben ist Bewegung. Meine Versuche zu kontrollieren, machen nur eins: sie schüren meine Angst. Ich merke, dass etwas geschieht, dass ich nicht kontrollieren kann. Löse ich mich jedoch von der Illusion, festhalten zu können und die Kontrolle zu behalten, ist Veränderung das was sie ist: Veränderung. Und aus Veränderung wird immer das, was ich daraus mache.

Wie leicht fällt es dir, das Leben geschehen zu lassen?
In welchen Aspekten macht Veränderung dir Angst? Und in welchen Bereichen deines Lebens, siehst du im Neuen eine Chance?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Stadt, Brücke, Stil © AlLes (pixabay CC-0)

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