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Geführte Meditation – damit der Denker Ruhe gibt

Ein Mensch auf einem Felsen hilft einem zweiten Menschen auf den Felsen zu klettern, dahinter ist die untergehende Sonne sichtbar. Dies verdeutlicht die Idee einer geführten Meditation.
Lesezeit: 7 Minuten

Für eine geführte Meditation brauchst du Mut zur Stille

Wer bereits meditiert hat, kennt es vielleicht: wenn du zur Ruhe kommen möchtest, endlich abschalten möchtest, beschleunigt dein Kopf die Geschwindigkeit deiner Gedanken. Ich habe schon oft auf meinem Meditationskissen gesessen und während der Meditation die Einkaufsliste für das nächste Wochenende gemacht. Auf Knopfdruck abschalten ist nicht einfach. Eine Kollegin sagte vor einigen Jahren zu mir: „Geführte Meditation habe ich mal ausprobiert, aber das war nichts für mich. Ich bin im Kopf immer wieder meine To-do-Liste durchgegangen. Von der Meditation habe ich nichts mitbekommen.” Was war ihr passiert? Hatte sie sich nicht angestrengt? Hat vielleicht nicht jeder Mensch die Fähigkeit zu meditieren? Doch das hat er! Wir haben nur verlernt still zu werden. Unser Kopf – von mir auch liebevoll „Denker” genannt – liebt es, wenn er das Sagen hat. Es gibt so vieles zu organisieren, Probleme zu wälzen, Situationen vorzuplanen. Du brauchst Mut, um den Denker zum Schweigen zu bringen und innere Stille zu erlangen.

Der Denker: Helfer und Schuft

Wenn dein Denker nichts zu tun hat, reagiert er mit hektischer Betriebsamkeit. Er fürchtet um seine Daseinsberechtigung und möchte beweisen wie wichtig er ist. In Momenten, in denen du die Stille suchst, fühlt er sich nutzlos und produziert Gedanken, die er dir als wichtig vorgaukelt. Dein Denker hat verschiedene Ziele:

  • Er möchte verhindern, dass der Status Quo in Frage gestellt wird. Die aktuelle Situation hat er im Griff, er kennt sich aus, hat die Gefahren eingeschätzt. Er hat dir deine „Komfortzone” eingerichtet. Der Denker wird vieles daransetzen, dass sich diese Situation nicht verändert, denn Veränderung birgt potentielle Gefahr. Er hält lieber die aktuelle Situation aus als ins Ungewisse zu gehen.
  • Negative Gefühle gefallen dem Denker nicht. Sie bringen viel zu viel Unruhe in die von ihm geordnete Struktur.
  • Um den Alltag zu erleichtern liebt der Denker Automatismen. Ohne diese wäre unser Leben sehr anstrengend, wenn wir z.B. über das Ein- und Ausatmen oder das Laufen nachdenken müssten. Allerdings gibt es systembedingt kein Update und der Denker hält an einmal eingeprägten Verhaltensweisen fest. Das können auch Muster und Glaubenssätze aus der Kindheit sein, die dich heute ausbremsen statt dir zu helfen.

Geführte Meditation hilft mir Stille von Gedanken zu erleben, meine innere Stimme zu hören. Ich nehme Verbindung mit meinem Inneren auf. In der Meditation begegnest du dir selber – voll und ganz. Und dafür ist es wichtig, dass dem Denker liebevoll der Ton abgedreht wird.

„Mit Meditation möchte ich Abstand bekommen“

Es gibt zahlreiche Beweggründe zu meditieren und verschiedene Methoden oder Techniken. Zum Meditieren brauchst du keine Voraussetzungen zu erfüllen, du musst nichts können und du brauchst auch keine Hilfsmittel. Es reicht, wenn du dich aufrecht hinsetzt und deine Aufmerksamkeit nach innen richtest. Hilfreich sind innerlich gesprochene Mantras wie „Dieser Tag erfüllt mein Leben“ oder die Ausrichtung auf deinen Atem. Viele Menschen wünschen sich Abstand von der Hektik und dem Stress ihres Lebens, Distanz zu den emotionalen Verstrickungen. Durch geführte Meditation wollen sie innere Liebe erfahren, Gelassenheit lernen und inneren Abstand zur Welt aufbauen. Sie möchten weniger vermeintlich negative Gefühle erleben. Daher konzentrieren sie sich in der Meditation auf positive Assoziationen wie das Licht oder die Liebe. Wenn negativ assoziierte Gefühle sich in der Meditation zeigen, wird das als eigener Fehler interpretiert, oder dass sie sich nicht genug anstrengen. Ich habe schlechte Neuigkeiten: Das Leben besteht nicht nur aus Licht. So wie die Nacht dem Tag folgt und der Tag der Nacht, gibt es im Leben immer wieder helle und dunkle Zeiten. Und Liebe zu spüren heißt auch, uns um einen kranken Menschen zu sorgen oder zu trauern, wenn er stirbt.

Warum ich in der Meditation nicht danach strebe Abstand zu bekommen

Meditationseinsteiger erschrecken sich zum Teil vor unerwartet aufsteigenden Gefühlen oder inneren Bildern. Das passt nicht mit ihrer Erwartung von Abstand zu negativen Gefühlen zusammen. Sie wünschen sich mehr Kontrolle über ihre Gefühle durch Meditation. Das sehe ich anders. Ich bin überzeugt, dass es im Leben genau darum geht: Das Leben möchte voll gelebt werden, ohne Ausnahmen und Kleingedrucktes. Wir sind hier, um alle Facetten des Lebens zu „er-leben“. Gefühle wie Wut, Ärger, Traurigkeit oder Scham gehören dazu. Auch ich erlebe lieber Freude als Traurigkeit. Daher habe ich eine Zeit versucht, die Gefühle von Traurigkeit und Einsamkeit nicht zuzulassen. Ich habe diese Gefühle verdrängt mit Sport, Unternehmungen, Hörbüchern, neuen Hobbies, Shopping, Genuss und Alkohol und vielem mehr. Waren die Gefühle weg? Nein, ich hatte sie tief in mir in eine Kiste gesteckt, die Tür zu diesem Raum zu gemacht und den Nebenraum vollgepackt mit Ablenkung. Die Tür zu dem Raum mit der Kiste sollte nicht mehr aufgehen können. Das hat gut geklappt, ich habe weniger Einsamkeit gespürt. Leider habe ich meine Lebensfreude auch kaum noch erlebt. Ich bin abgestumpft. Ich war herrlich distanziert von meinen dunklen Gefühlen und gleichzeitig auf Abstand zur Lebensfreude.

Mach‘ Licht in deinem inneren Keller

Das Leben ist wie ein Pendel, es schwingt frei und weit aus. Bremse ich die Seite mit den unangenehmen Gefühlen, kann das Pendel auf der anderen Seite keine Energie haben. Zusammen mit meiner Traurigkeit und Einsamkeit hatte ich Freude und Liebe mit in die Kiste gesperrt. Diese innere Kiste haben viele Menschen, gefüllt mit Gefühlen, die sie nicht fühlen wollen oder vermeintlich nicht fühlen dürfen. Fange ich an zu meditieren, steige ich in meinen inneren Keller. Und wenn ich dort das Licht anmache, sehe ich viele vergessene und verborgene Schätze in mir. Und ich sehe die Ecken und Kisten, die ich bewusst im Dunklen lassen wollte. Es geht nur beides: wenn ich in meinem Inneren Licht anmache, ist die Zeit gekommen, mich auch den dunklen Ecken in mir zu widmen.

„Aber das ist nicht erholsam oder angenehm…“

Nein, Meditation ist nicht immer angenehm. Meditation ist keine Wellness. Für Meditation brauchst du Mut. Mut dich dir ganz zu stellen. Meditation ist die totale Konfrontation mit dir selber. Ich erlebe immer wieder Zeiten, in denen ich es mit meinem inneren Kotzbrocken nicht aushalte. Der innere Kritiker lässt an nichts ein gutes Haar und kritisiert alles. Am liebsten möchte ich weglaufen und die Ohren zu halten. Stattdessen setze ich mich hin und höre zu. Ich werde still und lausche meinem inneren Kampf, meinem Toben, meiner Verletztheit. Ich habe Hochachtung vor Menschen, die sich auf diesen Weg der Meditation begeben. Die sich selber besser kennenlernen möchten und den Mut haben innerlich still zu werden, die ihrer inneren Stimme wieder Raum geben wollen. Ich freue mich und habe Respekt, wenn ich Menschen begleite und innerlich berühre. Diesen Weg mit geführter Meditation zu gehen, heißt nicht alleine zu gehen und jemandem an der Seite zu haben. Nicht jede geführte Meditation konfrontiert mit dunklen Themen. Es ist nur gut zu wissen, dass aufsteigende Gefühle oder innere Bilder nichts Schlimmes sind oder du etwas falsch machst. Es zeigt, dass du unterwegs bist, unterwegs zu dir und deiner inneren Stimme.

Was ist eine geführte Meditation?

Es gibt unterschiedliche geführte Meditationen. Sie haben gemeinsam, dass während der Meditation von außen Reize, i.d.R. gesprochene Worte, auf den Meditierenden einwirken. In der Praxis heißt das: jemand spricht und lenkt mit seinen Worten die innere Einkehr. Er oder sie gibt Bilder vor, mit denen ich mich auf meinen inneren Weg mache. Es gibt viele Meditationsansätze, die Reize von außen vermeiden. Der Meditierende richtet seine Aufmerksamkeit nach innen, in Stille, alleine und ohne Hilfsmittel. Als ich zu meditieren begonnen habe, habe ich das versucht. Immer schön die Gedanken auf die Wolke schicken, damit die Wolke sie wegträgt. Und nach 1.000 Wolken wird die Erleuchtung kommen. Das war meine Hoffnung. Heute sehe ich es sehr viel entspannter. Ich muss nicht alles alleine schaffen. Wenn mir Ziegel auf dem Dach fehlen, hole ich mir einen Dachdecker zur Hilfe. Da verspüre ich wenig Ehrgeiz es alleine schaffen zu wollen. Warum spüre ich bei Meditationen diesen Ehrgeiz?

Aus dem Gedankenkarussell aussteigen

Geführte Meditation ist die Hand, die dir gereicht wird. Ein kleines Kind nimmt vertrauensvoll die Hand der Mutter oder des Vaters. Es lässt sich führen, lässt sich ganz auf den Weg ein, den die Eltern mit ihm gehen. Für eine geführte Meditation habe ich ein ähnliches Bild. Um inneren Stille zu erleben, ist es ein möglicher Weg, sich von jemand anderem in der Meditation führen zu lassen. In Zeiten der Belastung oder wenn ich gestresst bin, dreht sich das Gedankenkarussell bei mir besonders schnell. Heute weiß ich, dass mir Innehalten und mit mir selber in Kontakt kommen in diesen Situationen guttut – und in diesen Zeiten besonders schwerfällt. Geführte Meditation ist eine Möglichkeit trotz fliegender Gedanken aus diesem Karussell für eine Zeit auszusteigen.

Geführte Ablenkung?

Eine geführte Meditation erleichtert mir das Einlassen. Die Stimme spricht „Anregungen“, auf was ich meine Aufmerksamkeit lenken soll. Dies können konkrete Bilder sein, das Hineinspüren in meinen Körper oder Fragestellungen, die innere Bilder – meine Bilder – anregen. Eine Stimme nehmen wir über die Ohren auf und sie spricht immer auch unseren Kopf an. Der Denker in uns ist froh, dass er etwas zu tun hat, dass er etwas „richtig“ machen kann. Ein bisschen gaukelt eine geführte Meditation uns die Ausrichtung nach Innen vor. Es ist eine Art eine geführte Ablenkung, je nachdem wie stark die vorgegebenen Bilder sind. Wenn ich mich einlassen kann, ist es dennoch ein erster Schritt meine Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Das Gedankenkarussell dreht sich nicht mehr ganz so schnell und laut. Du bist innerer Ruhe ein Stück näher.

Welche Arten geführter Meditationen gibt es?

Die Themen geführter Meditationen haben eine große Bandbreite. Hier sind einige Beispiele:

  • Traumreisen oder Fantasiereisen, z.B. „Fantasiereise am Strand“ der Techniker Krankenkasse
  • Geführte Meditation zum Einschlafen, z.B. Gut Einschlafen - Toll erwachen. Eine geführte Meditation mit Veit Lindau
  • Geführte Meditation zu bestimmten Themen wie dem Stressabbau oder Begegnung mit dem inneren Kind, z.B. Geführte Meditation – Stressabbau von Dr. Eva Müller

Traumreisen als geführte Meditation?

Traumreisen oder Fantasiereisen nehmen uns gedanklich mit zu anderen Orten. Dort erleben wir Distanz zu den Sorgen des Alltags. Es kann sehr erholsam sein, 20 Minuten nicht in den Mühlen des Alltags zu hängen. Positive innere Bilder von wunderschönen Orten, eine Zeit frei sein von Sorgen oder Druck entspannen verkrampfte Muskeln und bremsen den Kopf beim Denken. Fantasiereisen zählen für mich nur im weiteren Sinn zu geführten Meditationen. Diese Reisen haben ihren Raum und ihre Berechtigung. Je nach Intensität der vorgegebenen Bilder ist es eher ein innerer Film, den ich in Gedanken erlebe. Ich komme nur eingeschränkt in Kontakt mit mir selber. Eine starke Lenkung durch vorgegebene Bilder verhindert, dass meine inneren Bilder und Gefühle hochkommen. Um in geführte Meditation einzusteigen, kann dies ein Weg sein. Um in Kontakt mit mir selber zu kommen, bevorzuge ich weniger stark führende Bilder, damit meine Gefühle und inneren Bilder Raum bekommen.

Geführte Meditation zum Einschlafen

Das Gedankenkarussell hat sich bei mir früher vor allem beim Einschlafen gedreht oder wenn ich nachts aufgewacht bin. Im Halbschlaf habe ich immer mehr To-dos auf meine Liste hinzugefügt. Damals waren meine Einschlafhilfe Hörbücher. Am liebsten hörte ich Hörbücher, die ich gut kannte. Sie haben meinen Kopf abgelenkt und ich konnte meine Gedanken nicht mehr hören. Wem eine geführte Meditation zum Einschlafen hilft, dem möchte ich sie nicht schlecht reden. Aus meiner Sicht ist es keine Meditation, denn ich komme nicht in Kontakt mit meinem Inneren. Es ist eine Ablenkung, um den Denker in mir zum Schweigen zu bringen. Für Menschen mit Einschlafproblemen ist dies eine sinnvolle Alternative zu Tabletten – egal, ob es Meditation genannt wird oder nicht.

Geführte Meditation zu verschiedenen Themen

Neben Traumreisen und Meditationen zum Einschlafen gibt es geführte Meditationen zu vielfältigen Themen. Das können Themen wie Dankbarkeit, Reise durch die Chakren, Vergebung, Selbstliebe, Arbeit mit dem inneren Kind und viele mehr sein. So unterschiedlich die Themen der Menschen sind so verschieden sind die Themen und Angebote. Meditationslehrer, spirituelle Lehrer, Ärzte, Coaches und Menschen, die sich berufen fühlen, bieten geführte Meditationen an auf CDs, als Videos, Podcasts oder in vor Ort Veranstaltungen. Durch Fragestellungen, das Wachrufen von Erinnerungen oder die Anregung sich etwas vorzustellen, öffnen sie dein Herz und ermöglichen dir, deine innere Stimme zu hören. Innere Bilder und Gefühle steigen auf und lösen etwas im Inneren, geben einen Impuls oder eine Erkenntnis. Du kommst in Kontakt mit dir selber. Als Meditationslehrerin arbeite ich nach dem Dalmanuta Prinzip mit geführten Meditationen zu konkreten Themen. Einmal im Monat biete ich einen Meditationsabend an. Themenbeispiele sind Dankbarkeit, Neubeginn, Liebe oder Wunder. Begleitet mit Musik hast du die Möglichkeit dir selber zu begegnen. Wenn du den Mut zur Stille hast und dich einlässt, hast du die Gelegenheit, deiner inneren Stimme Raum zu geben.

Lass dich führen, lass dich begleiten

Egal ob bei mir, einem anderen Meditationslehrer, mit geführter Meditation auf CD oder einem der vielen online Meditationsangebote: ich habe Hochachtung vor jedem, der den Mut hat, sich selber zu begegnen. Deine inneren Potentiale sind so viel mehr als du selber sehen und fühlen kannst. Du hast der Welt so viel zu geben. Lass dich begleiten, lass dich fallen, lass dich führen. Lass dich auf einen neuen Weg in deine innere Stille ein. Und entdecke mit geführten Meditationen Wege, die du alleine nicht gegangen wärst.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Abenteuer, Höhe, Klettern © Sasint (pixabay CC-0)

 

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