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Was denkst du über Menschen?

Lesezeit: 3 Minuten

Prägung der Kindheit

In der Kindheit werden wir auf vielfache Weise geprägt. In dieser Zeit bilden sich innere Glaubenssätze, die mir auch heute noch oft im Weg stehen. Es bilden sich aber auch Überzeugungen heraus, die nichts mit mir, sondern mit den anderen Menschen um mich herum zu tun haben.

Die Anderen

In meiner Familie war es wichtig, was “die Anderen” denken. Dies wurde mir gerne in Frageform näher gebracht: “Was sollen denn die Anderen denken?”. Vielleicht kennst du das. Ich habe aber auch das Glück gehabt, Offenheit gegenüber Menschen zu lernen. Meine Überzeugung ist es, dass Menschen mir grundsätzlich nichts Böses wollen. Alle Menschen haben eine Chance verdient. Dass sie sich über mich Gedanken machen und womöglich schlecht über mich reden, verfestigte sich jedoch auch in mir.

Weit weg von der Realität

Egal wie oft eines meiner Vorurteile vielleicht zu stimmen schien: ich erlebe die Welt, wie ich sie sehe. Wenn ich niemandem traue, weil jeder nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist, werde ich dies so auch erleben. Ob ich es ausgelöst habe, weil ich nicht vertraut habe und auf meinen Vorteil aus wahr, kann ich nicht wissen.

Meine Vorurteile sind auch deswegen weit weg von der Realität, weil alle Menschen verschieden sind. Auch wenn das banal klingt, ist mir dieser Aspekt wichtig. Ich  begegne dem Einzelnen als Individuum nicht auf Augenhöhe, wenn ich ihn so sehe, wie es in meine Schublade passt und nicht wie er oder sie wirklich ist. Und oft gebe ich dem Anderen gar nicht Chance, ihn so kennenzulernen wie er oder sie wirklich ist.

Verfestigte Gedanken werden Vorurteile

In jeder Familie haben die Urgroßeltern, Großeltern und Eltern unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Dort erleben Kinder entsprechend andere Prägungen. Innerlich verfestigen sich nicht immer nur positive Gedanken über Menschen, sondern auch Vorurteile wie:

  • “Du kannst anderen nicht trauen, pass bloß auf im Leben.”
  • “Andere denken immer nur an sich selber. Sieh zu, dass du nicht abgehängt wirst.”
  • “Menschen sind von Grund auf schlecht, sei immer schön vorsichtig.”
  • “Die anderen sollen ruhig mal Rücksicht nehmen. Wenn wir das so machen, ist das ja etwas anderes.”
  • “Jeder ist nur auf seinen Vorteil aus. Pass auf, dass du nicht zu kurz kommst.”

Ganz normal

Diese Liste könnte ich beliebig fortführen und würde dennoch nie alle inneren Überzeugungen über andere Menschen aufschreiben können. Prägungen dieser Art werden oft von Generation zu Generation weitergegeben. Einschnitte oder intensive Erlebnisse können der Familienprägung weitere Aspekte hinzufügen. Es ist normal, dass wir Vorurteile dieser Art in uns haben. Die Frage ist, wie bewusst bin ich mir über diesen verfestigten inneren Meinungen um?

Mein Bild über Menschen verändert sich

Ich kann mich an einen Satz erinnern, den ich während des Studiums zu einer Kommilitonin sagte. Sie hatte erzählt, dass sie einer Obdachlosen Frau gerne helfen wollte, diese ihre Hilfe aber nicht annehmen wollte oder konnte. Ich sagte zu ihr “Jeder der wirklich arbeiten will, wird eine Arbeit finden und dann auch wieder eine Wohnung.”

Heute bin ich entsetzt, dass ich das damals so gesehen habe. Zum Glück weiß ich heute, dass jeder Mensch tief fallen kann und die Hilfe und Unterstützung der Gesellschaft verdient hat. Mein Menschenbild hat sich verändert.

Der inneren Schubladen bewusst werden

Wahrscheinlich werde ich meine vorgefertigten Bilder über “die Anderen” nie ganz los. Aber ich kann mir darüber bewusst werden, in welche Schubladen ich andere Menschen stecke. Wenn ich mich durchschaue, wie ich über die Frau an der Kasse denke, kann ich mich selber hinterfragen. Und jedes Mal, wenn ich mein Menschenbild infrage stelle, öffne ich meine innere Schublade ein kleines bisschen weiter, sodass die vorgefertigten Bilder sich verändern können.

Sei ehrlich

Wie sieht es bei dir aus? Wie lautet deine Antwort, was du über andere Menschen denkst? Ich lade dich ein, ganz ehrlich zu dir zu sein. Denn auch, wenn du dir selber voller Überzeugung erzählst, dass du allen Menschen absolut unvoreingenommen begegnest, weiß dein Herz im Inneren, dass das wahrscheinlich nicht stimmt.

Jeder hat Themen, die ihn besonders berühren und von der inneren Verbindung mit sich und allem Leben wegführen. Bei mir sind es z. B. SUV-Fahrer, die in zweiter Reihe auf der Straße stehen und denken “ihnen gehöre die Welt”. Ich weiß nicht, warum der Fahrer das macht, und rege mich dennoch auf. Vielleicht hat er seine alte Mutter von einem Ausflug nach Hause gebracht und sich über die Regeln hinweggesetzt, damit sie möglichst wenig laufen muss?

Bewusst machen

Erst, wenn ich mir meine inneren Schubladen bewusst mache, kann ich anfangen sie aufzuräumen. Wenn du gar nicht weißt, dass in deinem Inneren ein ganzer Schrank mit Schubfächern ist, wird das auch nichts mit dem aufräumen.

Daher noch mal die Frage: was denkst du über Menschen?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Menschen, Fußgänger, Mann © StockSnap (pixabay CC-0)

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