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Zurück zur Stille – wagst du es?

Ein hölzerner Steg führt durch das Schilf in einem See in Richtung Sonnenuntergang.
Lesezeit: 3 Minuten

Mein Kryptonit

Es ist mal wieder soweit. Mein Kopf ist so voll, dass ich nicht zur Ruhe komme. Stille kann ich im Moment nur ganz schwer aushalten. Also mache ich genau das, was mir nicht gut tut. Ich gönne meinem Kopf keine Ruhe mehr. Zum Einschlafen mache ich mir ein Hörbuch an. Und manchmal schaue ich zusätzlich noch kleine Videos (meistens geht es dabei um Kochen oder Backen).

Ich weiß es besser

Dabei weiß ich es besser. Was mir jetzt gut täte, wäre mehr Stille als sonst. Ich müsste mehr meditieren. Ich sollte in die Natur raus gehen, am besten alleine. Statt mehr zu machen, sollte ich weniger machen. Statt mich ständig abzulenken, sollte ich mit fokussieren.

Und doch tappe ich immer wieder in diese Falle. Ich lenke mich ab: mit den Bildern anderer Menschen, mit Geschichten und kleinen Denkaufgaben. Und mein Gedankenkarussell dreht sich immer weiter.

Das Gegenteil

Die Ablenkung, mit der ich aus meinem Gedankenkarussell aussteigen möchte, tut genau das Gegenteil. Das Karussell wird noch voller, mit den Bildern von außen. Und es dreht sich noch schneller. Und viel zu oft reagiere ich genau verkehrt: mit noch mehr Ablenkung.

Ich kenne die Fallen der Ablenkung zu gut. Denn ich tappe immer wieder hinein. Und ich weiß genau: Der Weg zurück zur Stille ist für mich immer wieder eine Herausforderung.

Was es braucht

Kennst du auch diese Phasen? Du weißt genau, was dir gut täte, und findest doch den Weg nicht dorthin? Was braucht es, damit diese Phase vergehen kann?

Akzeptanz

Auch wenn das manchmal der schwerste Schritt ist, kann es hilfreich sein, den Kampf aufzugeben. Statt dagegen zu kämpfen, dass es ist wie es ist, beendet die Akzeptanz den Kampf. Meine Kräfte, die ich für diesen Kampf aufgewendet habe, werden damit frei. Mit einem inneren (oder auch nach außen ausgesprochenen) „Ja“, so ist es gerade, kann es mir gelingen, die Akzeptanz einzuladen. Jetzt im Moment lenke ich mich ab. Ja, jetzt gerade wage ich es nicht, mich der Stille zu stellen.

Dieses Ja ist vielleicht das erste Ja seit längerem. Denn ich weiß, dass die Ablenkung mir nicht gut tut. Alles in mir schreit „nein, höre auf damit“. Mit dem Ja zu dem, was ist, durchbreche ich die Kette der „Neins“.

Verbindung

Tief im Inneren weiß ich, was mir gut tut. Ich meine weniger das Wissen im Kopf, sondern die Sehnsucht im Herzen. Wenn ich mit kognitivem Wollen, also dem Wissen, was gut für mich ist, den Weg verändern könnte, wäre das Leben oft so viel leichter. Bei mir klappt es leider nicht, wenn ich es mit dem Kopf will. Denken hilft hier nicht.

Aber ich habe eine viel stärkere Kraft in mir: meine Sehnsucht. Mein Herz sehnt sich nach der Verbindung, in der ich meine inneren Ruhe spüre. Stehe ich in Verbindung mit mir selber, mit dem Göttlichen oder mit dem Leben selber, scheint die Welt für einige Momente stehenzubleiben. Und so auch das Gedankenkarussell.

Gelingt es mir, mich mit meiner Sehnsucht zu verbinden, kann ich nicht nur denken, was mir gut tut, sondern ich kann spüren. Ich erlebe und begreife mit meinem ganze Körper, was mir momentan so sehr fehlt: Innere Ruhe, gefunden in der äußeren Stille.

Mut

Für mich ist es immer wieder der Mut. Um mich der Stille zu stellen, braucht es Mut. Denn in der Stille kommen die Gedanken, Bilder und Gefühle, denen ich mich gerade nicht stellen möchte. Die Ablenkung dient dazu, diese Bilder und Gefühle nicht erleben zu müssen. Aber sie gehen nicht weg, wenn ich versuche, ihnen auszuweichen.

Nur wenn ich die Bilder zulasse, die Gefühle durchlebe, kann ich sie wirklich loslassen. Die Sehnsucht nach mehr innerer Ruhe kann mein Mut-Beschleuniger sein. Wenn ich wage, wieder mehr Stille zuzulassen, können sich die inneren Bilder zeigen. Manchmal muss ich mich fallen lassen, um aus dem auszusteigen, was mich gerade festhält.

Ein Dreiklang

Wo hängst du gerade fest? Was ist dein Kryptonit oder deine Achillesferse? Wo kommst du gerade nur mit Denken nicht raus?

Der Dreiklang aus Akzeptanz, Verbindung und Mut kann auch dir helfen, aus deinem Karussell auszusteigen. Dein Ja zu dem, was ist, beendet den Kampf und setzt bisher gebundene Kräfte wieder frei. Deine Sehnsucht zeigt dir den Weg, auf was du dein Leben ausrichten kannst. Und der Mut gibt dir den Rückenwind, noch heute den ersten Schritt in diese Richtung zu wagen.

 

Wagst du es?
Welchen Schritt gehst du heute in Richtung deiner Sehnsucht?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Sonnenuntergang, See, Stille © Tommy_Rau (pixabay CC-0)

1 Kommentar

  1. Pingback:Und immer wieder: vom Kopf ins Herz - Mut zur Stille

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