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Wenn die Kraft fehlt

Eine leere Bank am Ufer eines Sees zu Beginn eines Wintertages. Die Kraft fehlt.
Lesezeit: 2 Minuten

Ein üblicher Irr-Glaube

Wie oft habe ich schon gesagt: “ich muss mich erst mal erholen, um wieder in meine Kraft zu kommen”. Oder ich sagte Sätze wie “mir fehlt die Kraft, jetzt kümmere ich mich erst mal nur um mich.” Im ersten Moment scheint an einem Satz dieser Art nichts Falsches zu sein. Sich um sich selbst zu kümmern, ist doch gut oder nicht? Sich endlich mal wieder Zeit nehmen, um in Ruhe zu baden oder mit einer Freundin in die Sauna gehen, das ganze Wochenende auf der Couch verbringen, was soll daran schlecht sein? Daran ist nichts Schlechtes. Ich behaupte aber, dass es dir auf dem Weg zurück zu deiner Kraft nicht hilft.

Selbstfürsorge

Es gibt Zeiten im Leben, da habe ich das Gefühl, alles kommt zu kurz. Ich habe zu wenig Zeit für meine Freunde, zu wenig Zeit für meine Familie, den Sport und was ich sonst alles gerne täte. Wenn Phasen dieser Art auftreten, stecke ich das normalerweise gut weg. Solange die Balance zwischen Anspannung und Entspannung für mich passt, kann ich eine anstrengendere Phase gut bewältigen. Kurze Auszeiten mit einem entspannten Schaumbad oder eine Stunde mit einem guten Buch und einem heißen Tee nur für mich helfen, den Akku nicht leer werden zu lassen. Ausreichend Schlaf ist ebenso wichtig wie Sport, mich zu erholen und den Kopf wieder freizubekommen.

Wenn der Akku tief-entladen ist

Ich habe es aber auch schon erlebt, dass die Balance zwischen Anspannung und Entspannung nicht mehr gegeben war. Dass ich mit meinem Tun mehr Energie verloren habe, als ich beim Baden oder Shoppen wieder hätte auftanken können. Die Gründe können sehr unterschiedlich und vielfältig sein. Bei mir war es z. B. der fehlende Sinn in dem, was ich tat. Meine Arbeit hat für mich keine Bedeutung mehr gehabt, sie hat mich nicht erfüllt. Vielleicht ist der Anspruch hoch gegriffen, dass ich mir eine Tätigkeit wünsche, für die ich bezahlt werde und die mich gleichzeitig erfüllt. Wenn ich in dem, was ich jeden Tag für viele Stunden tue, aber gar keinen Sinn sehe oder sogar gegen meine eigene Überzeugung handle, dann ist es kein Wunder: mein Akku war nicht leer, er war irgendwann tief-entladen (wenn das Handy erst mal gar nicht angeht, bevor es nicht ein oder zwei Minuten am Strom hängt).

Wie finde ich zurück in meine Kraft?

Ich habe auch in dieser Phase versucht, meine Kraft mit Sauna, Shoppen und Schaumbädern zurückzuholen. Bei mir hat es nicht geklappt. Denn auch diese Tätigkeiten erfüllen mich nicht. Sie gönnen mir eine Auszeit, lassen mich durchatmen oder meinen Körper sich erholen. Aber sie helfen mir nicht zurück in meine Kraft, denn sie geben mir keinen Sinn, lassen mich keine Bedeutung finden. Statt darüber Kraft zu bekommen, wurde ich noch kraftloser. Meine Welt wurde kleiner.

Zeitvertreib dieser Art nährt nicht dein inneres Kraftzentrum. Damit meine ich deinen Wesenskern, der von sich aus kreativ, voller Lebensfreude und Energie ist. Er beherbergt all deine Potenziale, deine Kreativität, deinen inneren Drang zu erschaffen. So drückt das Leben sich aus. Es möchte erschaffen. Die Kraft kommt, indem ich wieder anfange zu leben. Statt Rückzug in meine kleine (und enge) Welt des Schaumbads heißt es, raus zu gehen, etwas Neues zu wagen.

Was lässt dein Herz singen?

Wenn du weißt, was dein Herz zum Hüpfen bringt: dann mach genau das! Wenn du es noch nicht weißt, dann probiere Neues aus. Tritt in einen Chor ein, fang an zu malen, geh tanzen, hilf Kindern bei den Hausaufgaben, lies Alten Menschen Geschichten vor. Gehe raus, stell dich dem Leben. Geh in Kontakt mit Menschen. Wenn du kraftlos bist, dann komme ins Tun. Wenn du Kraft in etwas investierst, das dein Herz zum Singen bringt, kommt die Kraft zu dir zurück. Denn das Leben gibt dir immer die Energie zurück, die du investierst. Immer! Versprochen!

 

Was machst du, um wieder in deine Kraft zu kommen?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Bank See © Anne Poger (alle Rechte vorbehalten)

2 Comments

  1. Alexandra Bieder

    Oh wow, du hast mir die Augen geöffnet. So habe ich es hoch nie gesehen. Gefühlt ja, denn ich liebe Schaumbäder und den Gang um „meinen“ See.
    Heute, wo ich einen großen Sinn in meinem Tun habe und sehe, helfen diese „kleinen“ Mittel wieder mich schnell zu regenerieren.
    Und ja, immer wieder probiere ich auch etwas Neues aus. Sei es boldern, neue Städte kennenlernen, mal anders meditieren, …
    Ganz lieben Dank für diese, für mich, neue Erkenntnis, Alexandra

  2. Pingback:Die Wenn-dann-Falle - Mut zur Stille

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