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Der gefangene Vogel – oder wie du dich aus deinem Gedankengefängnis befreist

Eine Meise frisst im Flug eine Beere an herunterhängenden Zweigen und erinnert daran, dass ein Vogel stets ins Licht fliegt hinaus aus dem Gedankengefängnis.
Lesezeit: 3 Minuten

Ein Gast verirrt sich

Gestern Nachmittag war schönes Wetter und ich hatte die Schiebetür zur Terrasse offen gelassen. Als ich ins Wohnzimmer kam, bemerkte ich ein flatterndes Geräusch zwischen der Couch und dem Fenster. Ein Vogel hatte sich verirrt und suchte nun verzweifelt seinen Weg zurück nach draußen.

Angst und Mitgefühl

Er flatterte immer wieder gegen die Scheibe. Ich konnte seine Angst spüren und sie steckte mich an: Der Arme Vogel! Was ist, wenn er den Weg nicht mehr nach draußen findet? Hoffentlich verletzt er sich nicht. Was kann ich nur tun, um ihm zu helfen?

Der Weg zurück

Mein Mann hatte am Telefon die rettende Idee: Ich ließ alle Rollläden im ganzen Haus herunter, nur bei der Schiebetür, die zurück in den Garten führte, war Licht. Um dem Vogel die Möglichkeit zu geben, sich zu beruhigen, ging ich in den Garten und hielt mich von dem Bereich um die Terrassentür fern. Jetzt, da nur noch die rettende Öffnung hell war, fand der Vogel den Weg zurück in seine Welt.

In Gedanken verheddert

Manchmal geht es mir ähnlich wie dem Vogel: Ich habe mich verheddert in meinen Gedanken, Erwartungen und Ansprüchen. Dazu kommen noch verkuddelte Emotionen und ich fühle mich gefangen. Ich stecke fest in meinem Gedankengefängnis.

… Ich werde nicht gesehen.
… Ich kann nichts richtig machen.
… Immer muss mir so etwas passieren.

Meine Fesseln

Mal sind es alte Glaubenssätze, die mich gefangen halten, wie “ich kann das nicht” oder “das steht mir nicht zu”. Aber auch aktuelle Verletzungen und das Gefühl, dass ich nicht gesehen werde, spinnen ein Netz um mich, dass ich mich nur noch um mich selber und die Ungerechtigkeit drehe, die mir widerfährt. Und wenn das Gedankenkarussell dann mit meinen Ansprüchen, immer mein Bestes geben zu müssen, und meinen Erwartungen an mich und andere dazu kommt, finde ich den Weg zu mir selber nicht mehr. Wie der Vogel, der sich verirrt hat, flattere ich gegen die Scheibe und finde den Weg nach draußen nicht.

Den Weg finden

Wie finde ich den Weg aus diesem Gedankengefängnis? Genau wie der Vogel! Der Vogel hat den Weg nach draußen gefunden, indem er in Richtung des Lichts geflogen ist. Und genau das, gilt es auch für mich zu tun. Wenn ich auf das schaue, was mein inneres Licht strahlen lässt, dann ist der Weg leicht zu finden.

Was lässt mein inneres Licht strahlen?

Alles was mir Freude macht

Freude kommt aus dem Herzen. Sie berührt eine tiefere Ebene. Spaß ist hingegen oberflächlicher, ein angenehmer Zeitvertreib. Freude geht tiefer. Wirkliche Freude nährt meine Seele. Das Schauen einer Serie macht mir Spaß, im Garten reife Tomaten ernten, die ich selber gepflanzt und Monate gepflegt habe, erfüllt mein Herz mit Freude.

Das Verbindende

Es gibt oft viele Unterschiede zwischen Menschen. Ich sehe Dinge anders, nehme Situationen anders wahr und reagiere anders als andere Menschen. Rücke ich nun das ins Zentrum, wo wir uns unterscheiden, steht das Trennende im Mittelpunkt. Richte ich mich aber immer wieder auf das Verbindende zwischen mir und anderen aus, bekommt dies die größere Wichtigkeit. Das Trennende dämpft mein inneres Licht, das verbindende lässt mein Licht und das Licht meines Gegenübers heller stahlen.

Was ich geben kann

Ich entdecke mein inneres Licht wieder, wenn ich auf das schaue, was ich geben kann, statt auf das, was vermeintlich fehlt. Wenn ich damit hadere, dass ich die Aufmerksamkeit und das Verständnis nicht bekomme, was ich mir wünsche, verstricke ich mich tiefer in mein Gedankengefängnis. Mein Blick ruht auf dem, was fehlt. Schaue ich hingegen auf das, was ich geben, kann verändert sich zweierlei. Zum einen lenke ich den Blick von dem, was ich vermeintlich brauche, auf das, was ich schon habe. Zum anderen verändere ich die Richtung, in die die Energie fließt: von der nehmenden in die gebende Richtung.

Es gehört zusammen

Alle drei Aspekte hängen ganz eng zusammen. Denn das, was ich mit Freude gebe, lässt mein inneres Licht strahlen. Und in dem Moment, in dem ich in der gebenden Richtung bin, steht das Verbindende im Mittelpunkt und nicht das Trennende.

Was gibst du um des Gebens willen? Was gibst du mit Freude?

Dein Weg aus deinem Gedankengefängnis

Spüre, wie viel du zu geben hast. Schau auf das, was du Gutes in die Welt trägst und tragen kannst. Damit zündest du dein inneres Licht an. Dieses Licht wird dir immer wieder leuchten, wenn du den Weg gerade nicht siehst. Mit diesem Licht findest du den Weg aus deinem inneren Gefängnis – immer.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Vogel, Flügel, Flattern © homecare119 (pixabay CC-0)

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