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Was für dich wertvoll ist

Ein Leuchtturm auf Felsen ist im Abendlicht zu sehen. Werte können für mich dieser Leuchtturm sein.
Lesezeit: 4 Minuten

Werte

Wenn ich schreibe, “was für dich wertvoll ist”, meine ich wertvoll im Sinne von “Wert-voll”. Es geht mir um meine und deine Werte.

  • Welche Werte leiten dich in deinem Leben?
  • Bist du dir deiner Werte bewusst?

Bewerte nicht

Vielleicht hast du in einem spirituellen Ratgeber oder eine Frauenzeitschrift schon einmal den Rat bekommen “bewerte nicht”. Hinter dieser Aussage stehe ich auch. Ich würde gerne weniger bewerten, vor allem weniger abwerten. Es ist jedoch verdammt schwer, nicht zu bewerten. Denn in mir liegen meine Werte. Und ob ich will oder nicht, findet ein Abgleich statt: Steht eine Situation in Einklang mit meinen Werten oder steht sie im Gegensatz?

Bewusster Umgang

Eine Zeitlang habe ich für mich stark darauf geachtet, ob ich wertende Begriffe verwende. War der Abend mit Freunden schön oder war er bereichernd und voller Lachen? War der Kinofilm schlecht oder hat er mir nicht gefallen?

Weniger wertend zu sprechen ist nicht immer einfach. Es benötigt mehr Zeit, sich mit dem, über das ich reden möchte, auseinanderzusetzen. Wie war es für mich? Was hat es mit mir gemacht? Wie habe ich mich gefühlt? Mich mit meinen Empfindungen zu beschäftigen, ist ein wundervoller Nebeneffekt von einem bewussteren Umgang mit Bewertungen. Anfangs fehlten mir geradezu die Worte, weil ich außer “gut”, „schön“ oder “interessant” kaum die richtigen Worte für meine Eindrücke fand.

Meine Werte

An was messe ich meine Einschätzungen? Ein Kinofilm in französischem Originalton mit einem Hardrock Soundtrack wird mir wahrscheinlich nicht gefallen: Ich spreche kein Französisch und höre nicht gerne Hardrock.

Ähnlich passiert es mit den vielen bewusst oder unbewussten Wertungen des Alltags. Ich habe eine innere Skala, mit der mein Unterbewusstsein einen Abgleich macht. Diese innere Skala sind meine Werte.

Was sind Werte?

Werte oder wertorientiertes Handeln sind momentan sehr beliebte Begriffe. Ich habe heute bei Facebook etwas gesehen, dem ich sehr ambivalent gegenüberstehe: “Der Wertbotschafter. Werte schaffen, Werte schützen. Das Finanzcoaching”. Für mich passt dies nicht zusammen.

Ich verstehe darunter innere Leit- und Idealbilder, wie ich mich verhalten möchte und es mir von meinen Mitmenschen auch erhoffe. Werte sind als Substantiv ausgedrückt. Sie sind nicht das, was ich tue, sondern Leitlinien, an denen ich mich orientiere. Werte sind das, was für erstrebenswert erachte und woran ich mich und meine Mitmenschen messe.

Die Skala kennen

Meine Werte zu benennen ist nicht einfach. In einem beruflichen Seminar war dies eine Hausaufgabe: Was sind deine Werte? Um sie zu spüren, bin ich still geworden und habe in mich hineingehört. Was ist mir wichtig im Leben? Wie möchte ich anderen gegenübertreten? Was verletzt mich im Umgang mit anderen?

Hier konkrete Beispiele von meiner Liste:

  • Glaubwürdigkeit
  • Offenheit
  • Zuverlässigkeit
  • Respekt
  • Professionalität
  • Gerechtigkeit

Werte sind individuell …

An der Liste wird klar: Werte haben einen engen Bezug zur Moral. Es geht um das, was für mich wichtig ist und was richtig und falsch ist. Wenn jemand etwas anderes sagt, als er tut, ist er für mich nicht glaubwürdig und damit habe ich ein Problem. Für andere Menschen, die Glaubwürdigkeit nicht in ihrer Top 10 der Werte haben, ist es kein Problem. Werte sind individuell verschieden.

… und auch kollektiv

Momentan ist auch der Begriff “Wertegemeinschaft” beliebt. Damit ist eine Gruppe von Menschen, oft auf einem territorialen Gebiet oder innerhalb einer Religion gemeint, die gemeinsame Werte teilen. Momentan erlebe ich hier einen starken Dissens innerhalb unseres Landes. Ich erlebe Deutschland oder auch die EU nicht als Wertegemeinschaft, da politisches Handeln oder Aussagen in der Politik oder sogar im Familien- oder Freundeskreis mit meinen Werten nicht in Einklang ist. Daher sind Werte für mich tatsächlich eher individuell als gemeinschaftlich.

Warum es wichtig ist, meine Werte zu kennen

So sehr ich mich bei Bewertungen zurückhalten möchte, es gelingt mir nicht vollständig. Daher ist es für mich wichtig, meine Werte zu kennen. An was messe ich meine Wertung? Hier kommen drei Gründe, warum es wichtig ist, meine Werte zu kennen:

  1. Es geschieht vieles unbewusst. Die Sekunden-schnelle Bewertung passiert oft nicht bewusst. Wenn ich mir über mein Wertesystem bewusst bin, kann ich besser verstehen, warum ich mich ärgere oder verletzt bin. Einer meiner Werte wurde verletzt. Daneben gibt es natürlich noch weitere Gründe, warum ich mich zurückgewiesen oder verärgert fühle, z. B. wenn eines meiner Bedürfnisse nicht erfüllt ist.
  2. Werte sind meine inneren Leitlinien. Bin ich mir nicht bewusst darüber, an was ich mich innerlich orientiere, fällt es mir schwerer mit mir im Reinen zu sein. Ist mir ein Wert nicht bewusst, fällt es mir schwerer mein Leben danach auszurichten.
  3. Wenn ich mich ärgere, mich unverstanden oder ausgegrenzt fühle, kann das an nicht übereinstimmenden Werten liegen. Hätte ich z. B. den Wert “Sicherheit” und mein Mann “Abenteuer” würden wir uns oft streiten, wüssten aber nicht warum. Unsere Sicht auf bestimmte Aspekte wäre sehr verschieden, was zu Missverständnissen oder Konflikten führen kann.

Werte sind nicht statisch

So wie du dich dein Leben lang durch Erfahrungen, Erkenntnisse oder innerer Arbeit veränderst, verändert sich auch mein Wertesystem. Das was mir als Jugendliche wichtig und wert-voll war, ist in meinem jetzigen Leben vielleicht weniger relevant. Neue Erfahrungen verändern meine Wahrnehmung und meine Sicht auf das Leben und damit verändern sich auch meine Werte.

Ich halte es für sehr wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass Werte sich verändern können und dürfen. An einem starren Wertesystem festzuhalten, weil “man es immer schon so gesehen hat”, führt zu innerem Stillstand und Verhärtung. Neue Sichtweisen und damit eine Erweiterung der eigenen Wahrnehmung und Weltsicht werden nicht möglich.

Deine Werte

Hast du dich mit deinen Werten auseinandergesetzt? Sind sie dir bewusst?

Falls nicht, lade ich dich ein, dir dafür Zeit zu nehmen. Nimm dir Zeit für dich und gehe in die Stille. Wenn du magst, kannst du dich von diesen Fragen leiten lassen. Hier findest du auch eine Tabelle von Werten und Erläuterungen dazu.

  • Was ist mir wichtig?
  • Was sind Trigger, die mich ärgern oder Aspekte über die ich mich (regelmäßig) aufrege?
  • Wie möchte ich mit mir und anderen Menschen umgehen?

Ich lade dich ein, dir selber gegenüber wirklich ehrlich zu sein. Wenn ich Pünktlichkeit aufgeschrieben hätte, weil ich so gerne pünktlicher wäre, würden viele meiner Freunde oder meine Familie laut lachen. Löse dich vom Wunschdenken und von dem, was du denkst, was andere für richtig halten würden. Es zählt nur das, was in dir ist. Es geht um deine Werte, es geht um dich.

 

Ich freue mich, wenn du hier deine Erfahrung mit dieser Übung schreibst. Vielleicht magst du deine Erkenntnisse hier teilen?

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Leuchtturm, St. Marys Leuchtturm, Whitley Bay © 3760101 (pixabay CC-0)

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